Biokraft-Scheiderhoehe-GmbH
 
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Zeitungsbericht I 20.01.2010

Kraftwerk neben dem Kuhstall

Von Ingo Lang, 20.01.10, 08:25h, aktualisiert 20.01.10, 08:29h

Auf dem Schöperhof von Landwirt Christoph Lüpschen ist bei Lohmar nach heißen Diskussionen mit den Behörden eine Biogasanlage mit einem kleinen Fernwärmmenetz in Betrieb gegangen.

Die Landwirtfamilie Lüpschen hat einen eigene Biogasanlage: Hier eine Gasturbine. (Bild: il)

Landwirtfamilie Lüpschen

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Die Landwirtfamilie Lüpschen hat einen eigene Biogasanlage: Hier eine Gasturbine. (Bild: il)

Landwirtfamilie Lüpschen

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Das Fermenterreich tief unter Tage (Bild: il)

Landwirtfamilie Lüpschen

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Kraftwerkschef Lüschen an der Schalttafel (Bild: il)

Lohmar - Viele Mühen ausschließlich mit Kühen war gestern. Landwirt Christoph Lüpschen vom Schöpcherhof bei Scheiderhöhe hat umgesattelt. Er und seine Frau Birgit haben vier Millionen Euro in eine Biogasanlage investiert, die den Hof, die benachbarte Firma ABS sowie das Gasthaus Scheiderhöhe mit Fernwärme versorgt. Der Strom, den die Gasturbine liefert, wird ins Netz eingespeist. „Treibstoffe“ für die Kofermentationsanlage sind Mist und Gülle, Speisereste und Fette. Die Anlage wird gerade im Prüflauf hochgefahren.

Wenn sie im Februar mit Volllast arbeitet, wird sie 800 Kilowatt Strom pro Stunde liefern. Aufs Dach der Betriebshalle haben die Lüpschens Solarzellen installieren lassen. Die Photovoltaikanlage stellt noch einmal bis zu 210 Kilowatt bereit. Denn der Familienbetrieb will nicht allein neue Geschäftsfelder erschließen, sondern damit auch die Umwelt entlasten. Salopp formuliert: eine Abfallverwertungsanlage an Heizwerk mit Stromproduktion. Etwas Vergleichbares gibt es im Kreis bisher nicht.

Ein bisschen Stolz

Ein Umstand, der dem Lohmarer Pionier schlaflose Nächte bereitete. Die Kreisbehörde tat sich aus ebendiesem Grund schwer mit der Genehmigung des Projekts: Es gibt keine Vergleichsfälle, auf deren Genehmigungsverfahren man sich stützen könnte. Von der positiven Stimmung im Ort und vom klaren Ratsvotum für seine Anlage beflügelt, legte Lüpschen im Sommer los. Unter behördlichem Vorbehalt. Sollte die Genehmigung nicht erteilt bekommen, müsse er Errichtetes „rückbauen“. Im Dezember musste der Landwirt die Anlage zumindest in Probebetrieb nehmen, um Fördermittel für 2009 zu erhalten. Ende November erteilte der Kreis ihm die Baugenehmigung. Blut und Wasser schwitzte Lüpschen bis dahin. In dieser Phase seien daheim „die Teller tief geflogen“, beschreibt er die familiäre Anspannung.

Heute strahlt er, ist schon „ein bisschen stolz“, wenn alles so läuft, wie von ihm geplant. Gern führt er deshalb die Anlage vor. In der Halle werden die „Treibstoffe“ angeliefert, 60 Tonnen pro Tag. Was zwei Lastwagen bedeute, die mehr durch Scheiderhöhe karrten. Rechts hinten kauert die große Gasturbine in ihrem schallgedämmten Verlies, eingehaust in Poroton-Wänden. Wenn dann noch die Türen zu den Vorräumen geschlossen sind, ist von ihr kaum mehr als ein leises Wummern zu vernehmen. Im Maschinenraum selbst ist der Lärm ohrenbetäubend.

Lüpschen hat den Nachbarn versprochen: Sie sollen weder durch Lärm noch durch Gestank belästigt werden. Als dann nach Weihnachten wegen falscher Einstellung des Überdrucksystems Methangas übelriechend austrat, war das dem Bauern „sehr unangenehm“. Der Schaden ist längst behoben, alles läuft fast geräusch- und ganz geruchslos. Wie versprochen. Die größte Garantie für die Nachbarn, dass das auch so bleibe, so Lüpschen, sei: „Wir wohnen ja hier, wir sind die ersten Betroffenen.“

Wobei das harmonische Miteinander mit Nachbarn dem unternehmerischen Landwirt sowohl ein menschliches wie geschäftliches Anliegen ist. Er möchte keinen belästigen, möchte ein freundliches Verhältnis zu allen pflegen. Was die Nachbarn wiederum damit honorieren, dass sie Lüpschen in seiner Initiative unterstützen. So konnte er auch locker vor einiger Zeit die Attacke der UWG abwehren, die sich zur Sprecherin eventueller Anlagen-Gegner machen wollte. Der Haken: Es gab keine Gegner.

Nervenaufreibender war da die Rangelei mit dem Regierungspräsidenten, der das Vorhaben auf Lüpschens Hof glattweg ablehnte, weil es ein Projekt im Außenbereich sei. Einen geeigneten Standort gebe es doch neben dem Feuerwehrhaus. Mal abgesehen davon, dass Lüpschen dieses Grundstück gar nicht gehört, hätte die Biogasanlage am Ortsrand zum Dorfwahrzeichen von Scheiderhöhe werden können: Zwei große braune Gasbehälter neben einer Betriebshalle hätten dann das Ortsentree gebildet.

Aber letztlich ging alles dank energischer Fürsprache von Förderern der Anlage gut und der Bauer darf nun auf seinem Hof Strom und Wärme produzieren. Alles ökologisch einwandfrei. Zu einem weiteren Standbein wird sich wohl die Bewirtung von Besuchsgruppen mausern, mit deren Invasion zur Besichtigung der Anlage zu rechnen ist.


 
 
   
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