Landwirt Lüpschen stellt sein Millionen-Projekt vor: Eine Biogasanlage. Bei Scheiderhöhe soll das klimafreundliche Ensemble aus der Wiese nördlich vom Schöpcherhof wachsen.
Aus Kuhmist kann Strom gewonnen werden.
Lohmar - Die Biogasanlage Schöpcherhof, die sei schon ein guter und gewaltiger Schritt Richtung Klimaschutz, wurden die Politiker aller Fraktionen nicht müde zu beteuern. Aber, so betonten vor allem die Grünen, das Ding darf nicht stinken und lärmen. Tut es auch nicht, versicherte Landwirt und Bauherr Christoph Lüpschen. Das anfängliche „überhaupt nicht“ relativierte er zwar in „ein bisschen“ - aber nur, wenn man mit Nase und Ohr ganz dicht dran ist. So stimmte der Stadtentwicklungsausschuss geschlossen für die Änderung des Flächennutzungsplans und für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan.
Das Projekt ist imponierend. Auf 2,4 Hektar der Wiese nördlich von Lüpschens Schöpcherhof soll für 3,5 Millionen Euro eine Biogasanlage entstehen, die den Mist des Hofs sowie angelieferte Lebensmittelreste schluckt. Also keine Lebensmittel wie Mais oder Getreide, hob Lüpschen hervor. Mist und Gülle des Hofs werden in die Anlage gepumpt, die Lebensmittelreste werden per Lastwagen angeliefert. Das seien 1,8 Laster pro Werktag, sagt die Kalkulation. Die kippen ihre Fracht in einer zwölf Meter hohen Halle ab, die halb auf zwei runden Fermentern steht, die in den Boden eingegraben werden. In der Halle herrscht permanent ein gewisser Unterdruck, so dass kein eventueller Gestank entfleuchen kann. Außerdem filtere Wurzelholz die Gase aus, erläuterte der Bauherr.
In der „Kofermentationsanlage“ werden Mist und Essensreste vergoren. Das dabei entstehende Gas wird in einem Blockheizkraftwerk zu Strom gemacht, der ins Netz eingespeist wird. Die Abwärme erhitzt einerseits das „Anlagenfutter“ auf 70 Grad Celsius und „hygienisiert“ es. Andererseits wird damit der Hof beheizt und weitere Wärme an den Pumpenhersteller ABS in Scheiderhöhe geliefert. Der erhält die Hitze über eine Rohrleitung, die von der Biogasanlage aus an der Landstraße 84 entlang in den Gehweg oder Fahrbahnrand verlegt werden soll.
Reste als Dünger
Weitere Abnehmer könnten ans Wärmenetz angeschlossen werden, sagte Lüpschen. Die müssten vorher schauen, ob sich das für sie rechnet und falls ja, die entsprechenden Abzweige vom Haupthitzerohr zu sich hin verlegen lassen.
Die Gärreste der Anlage will der Lohnunternehmer Schlehecker als Dünger auf die Felder aufbringen. Was wohl bei den Kollegen im weiten Umfeld gut ankomme, weil die Gärreste preiswerter und ebenso gut wie Mineraldünger seien, erklärte Lüpschen. Zu Granulat getrocknet könnte dieses Wuchsfördermittel sogar dann problemlos über weitere Strecken „exportiert“ werden.
Die zwei Endlagerbehälter von je einem Durchmesser von 34 Metern sollen etwas bergab in einer Senke montiert werden, um von der Landstraße aus nicht direkt ins Auge zu fallen. Überhaupt werde alles unternommen, um Lärm, Gestank und eine Verschandelung der Landschaft zu vermeiden, betonte Lüpschen. „Denn wir selbst leben ja direkt nebenan und wären die ersten Leidtragenden von Mängeln!“ Um die hohen Emissionsstandards zu erreichen, würde eine halbe Millionen Euro mehr in die Anlage investiert als sonst üblich. Er sei stolz darauf, fügte er an, dass es sich um eine „Premiumanlage“ handele.
Bei der Bürgeranhörung in Scheiderhöhe am Donnerstag, 16. Oktober, wollen Lüpschen und das Kölner Büro „Stadtplanung Zimmermann“ die Millionen-Investition für die Zukunft vorstellen.